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EIN PAPAGEI IM EISCAFÉ

Dokumentarfilm, Filme
D/E 2014 – 83 MIN

Jetzt in den Kinos

Buch, Regie, Kamera: Ines Thomsen
Schnitt: Franziska von Berlepsch

In Koproduktion mit Polar Star Films, Barcelona
Gefördert von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein

Mitten in Barcelona, in der Altstadt nah am Wasser, liegt mit engen Gassen voller dunkler Gestalten das verrufene Viertel El Raval. Wo sich früher Matrosen mit Arbeiterfamilien die kleinen billigen Wohnungen teilten, prägen heute Migranten aus aller Welt das Bild.

Tür an Tür liegen in den kleinen Straßen ihre Barbier- und Frisiersalons. Jede Nationalität hat ihre eigenen. Parallelgesellschaften, die untereinander kaum Kontakt haben. Wer sie betritt, scheint Spanien zu verlassen und in Schutzräume für vertraute Rituale und heimatliche Erinnerungen einzutauchen. Denn Barbiere leben von ihren Stammkunden und ihrer fast seelsorgerischen Fähigkeit, ständig über alles und nichts zu reden oder dazu zu schweigen, während sie die Köpfe und Wangen der Mühseligen und Beladenen sanft berühren und beherzt verschönern.

Der Film erzählt von vier Friseuren und ihren Kunden im Raval, vier kleinen, seltsamen Zeit- und Raumkapseln, von Menschen, die sich aufmachten, in der Fremde ihr Glück zu finden, während die Spanier gerade ihr eigenes Land verlassen.

Festivals:
Documenta Madrid, Docs Barcelona, Hofer Filmtage, Alcances, achtung Beriln, Filmfest Schleswig-Holstein

Preise:
new berlin film award in der Kategorie Bester Dokumentarfilm 2015

Begründung der Jury Dokumentarfilm:
„Ertrinkende gehen in ein Land, wo sie noch mehr ertrinken’ sagt der aus Marokko eingewanderte Barbier. Unter Rasiermessern und Trockenhauben werden kleine Bemerkungen für uns zu großen Weisheiten. Ines Thomsen erzählt uns ein Stück Neues Europa. Von der Mobilität des ‚flexiblen Menschen’, von der Suche nach Glück und Auskommen fern ab von Heimat und Familie, von Zuflucht in neuem Gefilde. Aber auch von sozialem Leben mit gewachsenen Ritualen in einem alten Kiez. In vier kleinen Frisiersalons mitten in Barcelonas Krisen- geschütteltem Migrantenviertel El Ravel macht uns der Film mit großer Lust, Respekt und Leichtigkeit in seine Protagonisten verliebt. Sie haben es allesamt nicht leicht, aber es scheint, dass sie es genau hier, in diesem Mikrokosmos FRISÖR, einfach mal leicht nehmen können. Es wird geredet und es gibt Berührung. Ob es der Barbier mit seinem Kunden ist, der Lehrling mit seinem Meister oder die Stammkunden unter sich.

Ohne die Kamera zu spüren, lässt uns die Filmemacherin 80 Minuten mitlachen, mitweinen, mitfühlen und mitdenken. Ein charmanter Film, der uns, obwohl auch hier Skype und Mobiltelefone benutzt werden, nach Wärme und Gemeinschaft sehnen lässt. So lapidar wie der Titel klingt – EIN PAPAGEI IM EISCAFÉ – hallt dieser Film aus einer Gasse Barcelonas hier in uns nach und wir wünschen ihm demnächst ein großes, liebevolles Publikum im Deutschen Kino.“

 

Hauptpreis beim 19. Filmfest Schleswig-Holstein 2015

Jury-Begründung:
“Beobachtungen in Friseursalons unterschiedlicher Nationalitäten in Barcelona eröffnen ein Kaleidoskop von Träumen, einen Ort, der nicht nur dort zu finden ist, sondern auch in uns selbst. In eindrucksvollen Bildkompositionen und mit einer beinahe unsichtbaren Kamera schafft die Regisseurin es, den Protagonisten nahe zu kommen.